Wesenstest

Ein Wesenstest hat die Aufgabe, beim Hund ein gesteigertes Aggressionspotenzial gegenüber seiner Umwelt nachzuweisen bzw. soll das Vorhandensein bestimmter Verhaltensmuster aufzeigen. Die in den letzten Jahren deutlich gewachsene Bedeutung des Wesenstests steht in Verbindung mit verschiedenen Vorfällen, in denen Hunde Personen angegriffen und teils schwer verletzt haben. Besonders Beißattacken gegen Kinder führten mehrfach zu tödlichen Zwischenfällen.

Durch den Wesenstest soll das Verhalten bestimmter Hunde geprüft werden. Besonders Listenhunde – oft verallgemeinernd als Kampfhund bezeichnet – haben in der Vergangenheit gesteigerte Aggressivität als Wesensmerkmal zugeschrieben bekommen. Der Wesenstest simuliert verschiedene Alltagssituationen, die für Hunde ein gewisses Stresspotenzial beinhalten. Geprüft wird unter anderem, wie der Hund in vermeintlichen Bedrohungssituationen reagiert oder was passiert, wenn das Tier auf einen bzw. mehrere Artgenossen trifft.

Neben den Listenhunden ist ein Wesenstest in einigen Bundesländern für als gefährlich eingestufte Hunderassen vorgeschrieben. Anders als eine breite Öffentlichkeit vielleicht vermutet, ist Drohverhalten wie das Bellen oder Anknurren im Wesenstest durchaus erlaubt. Der Grund: Hunde werden hier mitunter extremen Bedrohungssituationen ausgesetzt. Wichtig für die Bewertung des Tests ist ein abgestuftes Verhalten, das durch den Halter in angemessenem Umfang regelbar bleibt.

Obwohl das Ablegen eines Wesenstests in verschiedenen Hundegesetzen und vergleichbaren Normen für einige Rassen vorgeschrieben ist, hat sich in Deutschland kein allgemeingültiger Standard etabliert. Eine weitere Herausforderung besteht in der Tatsache, dass Prognosen durch die Begutachtung des Tieres im Hinblick auf das zukünftige Verhalten in ihrer Zuverlässigkeit nur eingeschränkt Aussagekraft haben. Da die Vorgaben zum Wesenstest den einzelnen Bundesländern unterliegen, variieren

1. Zeitaufwand,
2. Kosten und
3. die Durchführungsperson.

Generell als auf einem hohen Niveau angesiedelt gelten Tests, die sich am niedersächsischen Modell orientieren. Je nach Rahmen können die Kosten für den Wesenstest eine Summe in Höhe von mehreren hundert Euro erreichen. Neben dem gesetzlich vorgeschriebenen Wesenstest existieren ähnliche Prüfungen auch in verschiedenen Zuchtverbänden oder für die Diensthundeverwendung.