Räude

Die Räude ist eine durch starke Veränderungen des Hautbildes gekennzeichnete Erkrankung, die bei verschiedenen Tierarten auftreten kann. Ausgelöst durch verschiedene Milbengattungen, kann die Räude auch auf den Menschen übertragen werden – es handelt sich hierbei um eine Zoonose. Allerdings spricht man in der Humanmedizin nicht mehr von Räude, sondern von Pseudokrätze. Die echte Krätze wird durch Sarcoptes scabiei var. hominis verursacht.

Ursachen und Übertragung

Je nach Wirt kann die Räude durch verschiedene Milben entstehen. So besiedelt beispielsweise Notoedres cati Katzen und löst hier die sogenannte Kopfräude aus. Für Hunde ist eher ein Befall mit Sarcoptes canis bzw. Sarcoptes scabiei var. Canis, die den Menschen als Fehlwirt besetzen kann, in der Regel aber spontan ausheilt, typisch. Für die parasitäre Lebensweise sind bei den Grabmilben vor allem die Weibchen verantwortlich. Männchen der Gattung Sarcoptes leben eher auf der Haut bzw. bevorzugen flache Grabgänge, in denen es zur Fortpflanzung kommt.

Die Sarcoptes-Weibchen halten sich dagegen in der Haut bis in die Hornzellschicht auf und legen hier ihre Grabgänge an, die mehrere Millimeter Länge erreichen können. In diese Grabgänge werden neben Kotballen (Skybala) täglich mehrere Eier abgelegt. Aus diesen schlüpfen nach wenigen Tagen (bis knapp eine Woche) die Larven. Letztere verlassen den Grabgang in Richtung Hautoberfläche, entwickeln sich hier zu Nymphen und schließlich zur geschlechtsreifen Milbe.

Insgesamt dauert der Entwicklungszyklus bis zum Absterben der Parasiten circa 60 Tage (auch kürzer). Ohne Wirt sind die Grabmilben über einen relativ langen Zeitraum von mehreren Wochen lebensfähig. Daher ist die Übertragung nicht nur von Tier zu Tier innerhalb einer Population möglich. Auch aus der Umgebung kann die Infestation von Hunden oder Fehlwirten mit Sarcoptes canis erfolgen.

Symptome, Diagnose und Behandlung

In Bezug auf die Symptome ist ein starker und anhaltender Juckreiz (Pruritus) eines der wesentlichen Symptome, die beim Befall mit Grabmilben auftreten. Daneben kommt es bei der Räude zu

1. Pusteln,
2. Papeln,
3. Rötungen der Haut,
4. Haarausfall,
5. Schuppung,
6. Krustenbildung,
7. Verhornung und
8. Pigmentveränderungen.

Durch die Symptome sind zudem Verhaltensänderungen möglich, das heißt der Hund wirkt beispielsweise unaufmerksam oder kann teilweise auch aggressives Verhalten zeigen. Dabei sind Anzeichen wie der Pruritus keineswegs direkt auf die Grabtätigkeit der Milben zurückzuführen. Nach der Erstinfektion mit den Milben entwickeln sich meist allergische Reaktionen auf deren Ausscheidungen. Kennzeichnend für die Sarcoptes-Räude ist unter anderem eine Zunahme des Juckens bei Wärme bzw. in den Nachtstunden.

Aufgrund der geringen Größe von Sarcoptes canis und der Tatsache, dass bereits bei geringem Befall starke Reaktionen auftreten können, ist ein Nachweis nicht immer einfach. Neben einem mikroskopischen Nachweis bzw. durch die Begutachtung des Hundes lässt sich heute auch serologisch – also über den Nachweis entsprechender Antikörper – die Diagnose erhärten. Behandelt wird die Sarcoptes-Räude durch den Einsatz von Wirkstoffen aus der Gruppe der Makrolide bzw. Amitraz.

Da die Milbe auch ohne Wirt längere Zeit lebensfähig bleibt, muss die Umgebung (Ruheplatz, Pflegezubehör usw.) gereinigt werden. Zudem sind alle Personen zu beobachten, die mit dem erkrankten Tier Kontakt hatten. Im Rahmen einer Hundekrankenversicherung können Behandlungskosten der Sarcoptes-Räude erstattungsfähig sein.