Kastration

Im Rahmen der Kastration eines Hundes werden die Keimdrüsen (Gonaden, auch als Geschlechtsdrüsen bezeichnet) entfernt. Dabei spielt es für den Begriff Kastration keine Rolle, ob der Eingriff bei einem Rüden oder einer Hündin vorgenommen wird. Durch die Entfernung der Keimdrüsen kommt es – anders als im Fall einer Sterilisation – auch zu Veränderungen des Hormonhaushalts. Die Kastration beeinflusst die Bildung der Geschlechtshormone.

Aufgrund dessen kann es nach dem Eingriff zu Verhaltensänderungen kommen. Davon betroffen sind im Wesentlichen aber nur jene Verhaltensmuster, welche in direktem Zusammenhang mit den Sexualhormonen stehen.

Die verbreitete Auffassung, mit der Kastration einen deutlichen positiven Wandel im Wesen des Hundes zu erfahren, ist falsch. Ein mit Verhaltensproblemen durch mangelhafte Erziehung behafteter Hund wird durch den Eingriff nicht automatisch pflegeleichter. Neben der Tatsache, dass eine Kastration geschlechtsspezifische Verhaltensmuster aufbrechen kann, ist die Entfernung der Keimdrüsen mitunter auch aus gesundheitlichen Gesichtspunkten von Bedeutung.

Beim Rüden kann sich durch die Kastration eine Verminderung des Hodenkrebsrisikos ergeben. Bei der Hündin wirkt sich der Eingriff möglicherweise positiv auf das Risiko für Gesäugetumore aus. Dabei ist entscheidend, zu welchem Zeitpunkt die Kastration bei der Hündin durchgeführt wird. Späte Eingriffe haben in der Regel keine Wirkung. Auf der anderen Seite sollte die Kastration nicht zu früh erfolgen. Hintergrund: Durch die Geschlechtshormone wird die geistige und physiologische Entwicklung der Tiere beeinflusst. Halter, die zur Frühkastration greifen, riskieren Entwicklungsdefizite der betroffenen Tiere.

Das Risiko von Fehlentwicklungen ist nur eine Gefahr bei der Kastration. Da der operative Eingriff unter Vollnarkose erfolgt, ergibt sich hieraus ein Narkoserisiko. Zudem besteht die Gefahr, dass durch den Eingriff Keime in die OP-Wunde gelangen und es zu Infektionen kommt. Weitere Risiken ergeben sich aus:

1. Veränderungen des Stoffwechsels,
2. Verhaltensveränderungen und
3. Verschiebungen innerhalb der Rangordnung (bei mehreren Hunden) bzw. in der Wahrnehmung durch andere Hunde.

Achtung: Die Kastration eines Hundes berührt den Schutz der Tiere durch das Tierschutzgesetz (TierSchG). Nach § 6 ist

1. das vollständige bzw. teilweise Amputieren von Körperteilen sowie
2. das vollständige bzw. teilweise Entnehmen/Zerstören von Organen

verboten. Obwohl hinsichtlich der unkontrollierten Fortpflanzung und tierärztlicher Indikationen Ausnahmeregelungen gelten, muss der Tierarzt im Einzelfall abwägen, inwiefern der Eingriff gerechtfertigt ist. Gerade im Zusammenhang mit Verhaltensauffälligkeiten ist die Suche nach Alternativen sinnvoll, um den Komplikationen der OP aus dem Weg gehen zu können.

Im Hinblick auf die Kostenübernahme in Tarifen zur Hundekrankenversicherung bzw. zur Hunde OP-Versicherung stoßen Halter auf ein äußerst heterogenes Bild. Während verschiedene Versicherer die Erstattung für eine Kastration auch bei medizinischer Indikation selbst im Premiumschutz ausschließen, ist bei eingehender Suche durchaus die eine oder andere Versicherung auszumachen, in der Zuschüsse den finanziellen Aufwand zumindest teilweise abdecken. Tarife ohne Einschränkungen bei der Kostenerstattung für die Kastration sind im Bereich der Hundeversicherung leider selten.